Werbeslogans – und was sie uns sagen wollen
Werbeslogans. Derer gibt es viele. Gute. Schlechte. Witzige. Missverstandene. Aufsehenerregende. Langweilige.
Eine endlose Weiterführung beschreibender Schlagworte würde keinen Sinn machen – zumal es sich nur um einen kleinen Beitrag zum Thema handelt. Ausschweifenderes wäre mit Sicherheit mal interessant – aber dafür bedarf es einiger Recherche und einer gewissen Intention hinter dem Post. Darum beschränke ich mich zunächst nur auf einen kleinen Teilbereich eines weitumfassenden Feldes, auf einen unscheinbaren Werbeaufdruck, auf einem mindestens genauso unscheinbaren Plakat.
Fast würde ich behaupten, dass es kaum einer je zur Kenntnis genommen hat. Meist ist man viel zu beschäftigt, als dass man darauf achten würde – geschweige denn sich dafür interessieren. Mir hingegen wurde ein kurzer Augenblick der Wachsamkeit zu Teil – und das kleine Schildchen mit dem Aufdruck “nasch dich glücklich” sprang mir ins Auge.
Nasch dich glücklich. Soso.
Das ist jetzt also allen Ernstes eine Botschaft, die man uns vermitteln möchte? “Du fühlst dich traurig und betrübt – dann ess doch einfach was leckeres und alles wird gut”. Du hast Kummer und Sorgen, der Tag lief mies, die Leute sind gemein zu dir – mach dir nichts draus mit was feinem zum naschen ist die Welt wieder in Ordnung.
Naschen = Problemlösung? Naschen = Glücksbote = Allheilmittel = Voraussetzung zum Glücklichsein?
Wieso muss man das überhaupt verknüpfen? Wieso kann naschen nicht einfach naschen – und glücklich einfach glücklich sein? Wieso folgert man aus naschen -> glücklich? Ist das nicht eine absolute falsche (und gefährliche) Botschaft?
Ganz gleich ob irgendwelche Zucker, Fette, Schokolade oder sonstige Substanzen Glückshormone stimulieren, ob sie irgendwelche chemischen Reaktionen in Gang setzen oder ob einfach nur der psychische Aspekt einer wohlschmeckenden Nascherei zu unserem Wohlbefinden beizutragen vermag. Ist es wirklich nötig unserem Hirn zu suggerieren “naschen macht glücklich”?
Es tut mir leid, wenn ich das jetzt so offen und ehrlich herunterschreibe – aber beklagen wir uns nicht eh schon tagein tagaus, dass die Bevölkerung immer übergewichtiger wird, dass immer mehr Kinder schon davon betroffen sind? Stellen wir nicht eh schon fest, wie sehr sich die Ernährungsgewohnheiten verändern?
Müssen wir dann auch wirklich noch damit werben, dass Naschereien unsere Seelentröster sind?
Sollte das nicht eher etwas sein, das wir genießen können? Eine Rarität auf die wir uns freuen können – aus dem Grund, weil es etwas besonderes ist? Aber nicht als Bestandteil unseres täglichen Daseins.
“Ach Kind, macht nichts, wenn dich in der Schule alle hänseln – ich kauf’ dir noch n Eis, dann ist alles wieder gut”.
“Wenn du jetzt brav bist, dann bekommst du noch eine Tafel Schokolade”.
“Hier – iss’ noch ein paar Kekse, dann wirst du wieder glücklich”
“Macht nichts, wenn deine Freunde dich alle verarschen – kauf dir lieber noch paar Töpfchen Pudding und alles ist prima”.
…um einfach mal ein paar wilde Beispiele in den Raum zu streuen – die leider von der Realität gar nicht so endlich weit entfernt sind, wie man meinen könnte. Zu oft wird ein Produkt, insbesondere Essen als Trostspender und Sorgenlöser vorgeschoben. Zu oft wird das wesentliche vergessen und erst mal mit einer Nascherei Abhilfe geschaffen.
Ich – und ich möchte vermerken, dies ist einzig und allein meine persönliche Meinung – finde es angesichts dieser Tatsache einfach fatal auch noch damit zu werben. Slogan hin oder her – ein bisschen nach rechts und links blicken kann manchmal nicht schaden.
Oder sind wir wirklich schon so degeneriert, desensibilisiert und im Grunde sowieso gar nicht daran interessiert, dass uns diese Entwicklung schon gar nicht mehr auffällt?


